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Elysium Roman 7 – Kapitel 6: Willkommen in der Hölle


Die vier Jugendlichen stutzten, als der Riese in der schwarzen Uniform hinter der Ecke des nächsten Hauses auftauchte und dann geradewegs auf sie zusteuerte. Jerry kniff die Augen zusammen, um den Mann im grellen Licht der Mittagssonne besser erkennen zu können.
„Ist das ein Bulle?“, fragte Odie in die Runde, der ebenfalls in die Richtung schaute und hielt sich dann die Hand über die Augen, um nicht geblendet zu werden.
„Ne, sieht nicht so aus. Ein Parkwächter vielleicht?“, überlegte Jordan und spuckte auf den Boden. Die vier hatten sich um Odies neuen roten Sportwagen versammelt und unterhielten sich über diverse Modifikationen, die sie in der nächsten Zeit an dem Motor durchführen wollten, rauchten dabei zur Entspannung ein paar Zigaretten. Das Industrieviertel war an einem Sonntag geradezu ideal für eine Spritztour und es gab ein paar große Firmenparkplätze, auf denen man ungestört waghalsige Wendemanöver üben konnte. Die Polizei war am Wochenende überwiegend in Küstennähe gebunden und würde sie nicht stören.
„Blödsinn… naja, wenn er Ärger machen will werden wir ihm eine ordentliche Abreibung verpassen. Immerhin sind wir in der Überzahl, auch wenn der Typ zwei Meter groß ist“, grinste Jerry.
„Alter, der hat ein Gewehr auf den Rücken geschnallt!“, keuchte Odie und nun sahen es auch die anderen. Jerry zog daraufhin ohne Umschweife eine Pistole aus der Innentasche seiner Jacke.
„Wo hast du das Ding her?“, japste Craig und machte unweigerlich einen Schritt zurück.
„Die hab ich von zwei Punks in der Nordstadt gekauft. Die lungern dort an einer U-Bahn-Haltestelle herum und bieten illegales Zeug an. Wie heißt die Haltestelle noch gleich…“, erwiderte Jerry und wurde jäh unterbrochen, als der Riese in der Uniform sie inzwischen erreicht hatte. Jerry riss die Waffe nach oben und zielte auf die Brust des Mannes. Die Jugendlichen starrten den Neuankömmling entgeistert an, der sich da vor ihnen aufgebaut hatte. Er schien eine Halloween-Maske aus Gummi über den Kopf gezogen zu haben, die ziemlich gut gemacht war. Man hatte aus der Ferne nicht erkennen können, dass es sich offensichtlich um eine Art Verkleidung handelte. Nur seine Augen bewegten sich unheimlich ruckartig, waren kalt und emotionslos, geradezu tot. War das ein Überfall und er wollte nicht erkannt werden?
„Was willst du von uns“, knurrte Jerry angriffslustig und mit Überheblichkeit in der Stimme. Alle Vorteile lagen auf seiner Seite, er hatte seine Waffe bereits gezogen. Ein Schuss würde genügen und der Fremde würde sein Leben aushauchen. Dieser hielt ein paar Momente inne und betrachtete die Jugendlichen mit seinem starren Blick.
„Wagen. Schlüssel. Jetzt“, sprach er schließlich. Seine Stimme war tief und klang abgehackt, leicht verzerrt, so als wäre sie künstlich erzeugt worden. Ein Sprachgenerator, schoss es Odie durch den Kopf. Natürlich! Der Fremde wollte nicht, dass man seine echte Stimme hören konnte um ihn nach dem Raub nicht mehr identifizieren zu können. Eine geradezu perfekte Tarnung. Er würde seinen Wagen keinesfalls hergeben und sein Freund hatte ohnehin schon eine Waffe im Anschlag. Odie zog sein Springmesser aus der Hosentasche und ließ dessen Klinge durch einen kurzen Druck mit dem Daumen auf einen kleinen Metallknopf am Griff nach vorne schnellen.
„Verpiss’ dich einfach und wir vergessen die Sache“, herrschte Jerry den Fremden daraufhin an. Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen wedelte er mit seiner Pistole in die Richtung, aus der Lazarus eben gekommen war. Der schien abermals zu überlegen. Diese Personen stellten keinerlei Bedrohung für ihn dar, er würde keine Munition verschwenden müssen. Er setzte sich in Bewegung, tat einen Schritt auf Jerry zu, dann noch einen, hatte ihn fast erreicht. Der Jugendliche hatte hingegen überhaupt nicht damit gerechnet, dass der Fremde ihn frontal angehen würde. Hinter ihm stand das Auto, neben ihm seine Freunde. Was um Himmels Willen sollte er jetzt tun? Er hatte keine andere Wahl mehr, drückte ab, ein Schuss löste sich aus seiner Waffe und durchschlug die Uniform des Fremden, drang in seine Brust ein. Mit Entsetzen stellte er fest, dass dieser Treffer keinerlei Wirkung gezeigt hatte. Der Fremde hatte nicht einmal gezuckt. Lazarus’ Riesenhand schnellte stattdessen nach vorne und umklammerte die Pistole und Jerrys Hand zusammen, dann drückte er zu wie ein Schraubstock. Jerry schrie wie am Spieß als seine Knochen brachen und die Pistole zersplitterte. Er jaulte geradezu hysterisch und versuchte sich loszureißen, krümmte sich gleichzeitig vor Schmerzen, die ihn fast ohnmächtig werden ließen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie zwei seiner Freunde bereits davonrannten als wäre der Teufel persönlich hinter ihnen her.
„Wagen. Schlüssel. Jetzt“, wiederholte der Fremde seine Forderung und löste seinen unerbittlichen Griff nicht. Odie, der bis jetzt ungläubig auf die Szene gestarrt hatte, ließ sein Springmesser fallen. Er zitterte vor Angst am ganzen Körper und hätte in seinem Schockzustand ohnehin nicht flüchten können, selbst wenn sein Leben davon abhängen würde. Dann zog er den Autoschlüssel aus seiner anderen Hosentasche und hielt ihn Lazarus hin. Der ließ dadurch endlich die zerquetschte Hand von Jerry los, die nach dieser Behandlung nicht mehr als solche erkennbar war. Der Jugendliche brach sofort mit einem noch lauteren Schrei zusammen und rollte sich vor Schmerzen über den Boden. Lazarus nahm den Autoschlüssel entgegen und überlegte kurz ob er die beiden eliminieren sollte, entschied sich aber dann dagegen. Sie würden brauchbare Sklaven für die Partei abgeben, wenn die Stadt erst eingenommen war. Wortlos umrundete er dann den Sportwagen, öffnete die Fahrertüre, setzte sich hinein und scannte die Armaturen, den Schaltknüppel und das Lenkrad. Das Fahrzeug unterschied sich in der Bedienung nicht von den Modellen, die in den Nordstädten produziert wurden. Er steckte den Schlüssel ins Zündschloss, drehte um und ließ den Motor an, schlug das Lenkrad ein und trat das Gaspedal durch. Der Jugendliche, der ihm eben den Schlüssel gegeben hatte, war immer noch wie paralysiert und schaffte es nicht mehr, schnell genug zur Seite zu springen. Der Wagen erfasste Odie auf Höhe des rechten Scheinwerfers und schleuderte ihn durch den Aufprall ein paar Meter weit zur Seite. Lazarus überlegte wieder, während er mit dem Sportwagen auf die Straße auffuhr und noch weiter beschleunigte. Seine künstlichen Neuronen im Verbund mit dem von der Transplantation beschädigten Gehirn von Artjom Gromow feuerten zwar mit Maximalleistung, dennoch war er im Begreifen vergleichsweise langsam. Er kam schließlich zu dem Ergebnis, dass er definitiv mehr Fahrpraxis benötigte.

Schneller und schneller fuhr der Wagen, überholte ein paar andere Fahrzeuge, steuerte sogar immer wieder kurzzeitig auf die Gegenfahrbahn und zwang den Gegenverkehr somit dazu, abzubremsen und auszuweichen. Die Reifen quietschten laut und qualmten, als Lazarus den Wagen um eine Kurve steuerte und erneut das Gaspedal bis auf den Boden durchdrückte. Gleich würde er sein Ziel erreicht haben. Die Nadel des Drehzahlmessers bog sich nach rechts, als er auf der letzten langen Geraden einbog und noch einmal durchstartete. Der Motor heulte auf und der Wagen beschleunigte, immer mehr, hielt geradewegs auf das große Tor der Müllverwertungsanlage zu und durchschlug es aus voller Fahrt. Die beiden Flügel des Tors wurden aufgerissen, einer brach dabei vollständig aus seiner Verankerung. Der Aufprall hatte das meiste an Schwung des Wagens abgefangen. Er schlitterte über den glatten Hallenboden, stellte sich quer und krachte gegen die nächste Wand. Die Karosserie verzog sich dabei so sehr, dass die Motorhaube aufsprang, weißer Qualm entwich aus vor Überdruck geplatzten Schläuchen. Lazarus knallte zuerst mit voller Wucht gegen das Lenkrad und als sich der Wagen drehte, schlug sein Kopf gegen die Scheibe der Fahrertüre, die dabei splitterte. Seine Gummihaut wurde über seinem linken Ohr bis über das Auge hinweg eingerissen und hing nun ein Stück herunter. Der dabei entstandene Spalt gab den Blick auf seinen darunter verborgenen Schädel frei, der aus blankpoliertem Metall gefertigt war, genau wie der Rest seines Skeletts. Er hatte sein Ziel erreicht, von hier aus hatte der Cyborg amerikanisch-japanischer Bauart seine Koordinaten gesendet. Diese Einheit musste unter allen Umständen eliminiert werden, denn sie konnte für die Pläne der Partei gefährlich werden. Lazarus versuchte aus dem Auto zu steigen, die Türe hatte sich jedoch so stark verbogen, dass sie sich auf normalem Weg nicht mehr öffnen ließ. Er beugte sich auf die rechte Seite und trat sie kurzerhand mit seinem linken Bein auf. Dabei wendete er so viel Kraft an, dass das Scharnier brach und die Türe krachend auf dem Boden landete. Als er aus dem Wagen ausstieg, entsicherte er sofort sein Maschinengewehr und scannte die Umgebung. Zuerst fiel sein Blick auf eine riesige eingeschaltete Anlage, die er als Müllzerkleinerer erkannte. Während er noch von dem Anblick der Maschine abgelenkt war, traf ihn eine aus höherer Position abgeschossene Gewehrsalve in die Brust und Schulter. Teile seiner Uniform und Haut wurden dabei auf- und weggerissen, die Kugeln prallten jedoch an seinem Skelett ab und hinterließen bis auf ein paar Kratzer keinerlei Schaden. Er blickte nach oben und sah eine bewaffnete Frau, neben ihr auf dem Boden etwas das aussah wie ein kleiner Hund, jedoch selbst keinerlei Körperwärme abstrahlte. Er kannte diese Frau, hatte sie im Cyberspace gesehen. Sie war das Ziel seiner Mission. Sofort riss er sein Gewehr hoch, die Zielvorrichtung seiner Augen aktivierte sich und er eröffnete das Feuer. Die Frau sprang nach rechts weg und rollte sich ab, die Kugeln schlugen hinter ihr in der Wand ein. Lazarus hatte nicht erwartet, dass sie so schnell sein würde und justierte seine Zielvorrichtung auf Vorhalten nach. Während dieser Denkvorgang ihn in Anspruch nahm, schlugen bereits die nächsten Kugeln aus ihrem Gewehr in seiner Brust ein. Er nahm diese Treffer zur Kenntnis, dennoch gab es für ihn keinerlei Veranlassung Deckung zu suchen. Er wusste, dass sie ihm mit dieser Waffe nicht würde schaden können. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sie zerstören würde.
„Das mit dem Zielen müssen wir aber noch üben, du Blechdose!“, rief die Frau ihm zu und erneut bekam er einige Treffer ab, ein paar davon direkt im Gesicht. Sie provozierte ihn, verhöhnte ihn. Etwas regte sich in ihm, etwas, das er kannte, verborgen unter einem dichten Nebelschleier seiner Vergangenheit. Sein nur noch in Grundfunktionen einsatzfähiges menschliches Gehirn empfing diesen Reiz, verarbeitete ihn und reagierte, erweckte eine Emotion die nun gegen seinen ihm gegebenen Befehl rebellierte. Hass. Blanker Hass. Ja, er würde sie zerstören, aber er würde sie auf >seine< Weise vernichten. Niemand sollte es wagen ihn herauszufordern. Er war mächtig, unaufhaltsam und er würde die Überreste dieses Cyborgs hinter sich her durch die ganze Stadt schleifen. Lazarus setzte sich in Bewegung und eröffnete erneut das Feuer, schoss sein Magazin leer, lud nach, schoss erneut und traf die hin- und herspringende Frau zum ersten Mal an ihrem rechten Oberschenkel. Ihr Blut spritzte bei den Treffern, was in seinem Gehirn zu einem Dopaminausstoß führte als er es sah. Sehr gut. Ihr menschliches Gewebe machte sie zusätzlich verwundbar. Wenn das hier vorbei war, würde er ihren Kopf als Trophäe behalten.

Die TRAP-Agenten eilten weiter den Gang entlang, vorbei an ein paar geschlossenen Türen. Endlich konnten sie die Treppe sehen, die die Soldatin zuvor beschrieben hatte. Sie hatten die Frau mangels Alternativen einfach mit der Uniform des anderen Soldaten gefesselt und geknebelt, er benötigte sie ohnehin nicht mehr. Sicher, es war ein Risiko gewesen sie am Leben zu lassen, aber nur eines mehr von vielen.
„Meteortrinker? Was soll das bedeuten?“, fragte Abigail mit gedämpfter Stimme nach.
„Keine Ahnung“, erwiderte Yuri, der nun anstatt Harry mit gezogener Waffe vorneweg ging. Als sie die Treppe erreicht hatten, bogen genau in dem Moment zwei weitere Soldaten um die Ecke. Yuri reagierte blitzschnell und eröffnete das Feuer, traf den ersten in den Kopf und den zweiten in die Brust. Die Schüsse hallten über den Gang, die beiden Männer brachen zusammen bevor sie schreien konnten.
„Sehr unauffällig!“, schnaufte Abigail. „Wenn man die beiden mitten auf dem Gang findet, wird die ganze Basis nach uns suchen!“
„Alles gut“, winkte Yuri ab und bog auf die Treppe ein. „Frau gesagt, die meisten Wachen weg sind seit der komische Typ ist hier. So schlimm kann also nicht werden. Außerdem nicht genug Zeit, Leichen zu verstecken.“
„Ist ja nicht so, als würde man die Blutspuren dann nicht von Weitem sehen… oh Mann, immer wenn wir ein Gebäude infiltrieren lösen wir früher oder später Alarm aus. Ist euch das schon mal aufgefallen?“, zischte die Programmiererin zurück und musste sich beeilen, um mit Yuri mithalten zu können, der bei jedem Schritt drei Treppenstufen auf einmal nahm.
„Nächstes mal wir machen besser“, brummte er nur zurück und lud während des Marsches seine Waffe nach. Harry folgte den beiden ohne ein Wort zu sagen, nur noch auf das Ziel dieses Einsatzes fokussiert. Als Yuri das obere Stockwerk erreichte, blickte er kurz nach links und rechts um die Lage zu sondieren. Von rechts waren Schritte zu hören, mindestens drei Personen, eher mehr. Es musste schnell gehen, sie konnten hier nicht stehen bleiben. Geradeaus vor ihm war eine Türe, auf dem darüber angebrachten Schild stand >Fitnessraum Bioexperimentell – Zugang nur Level 4<. Was hatte das zu bedeuten? Er hatte keine Zeit darüber nachzudenken, deutete seinen Kameraden ihm schnell zu folgen, machte einen Satz auf die Türe zu, öffnete sie und eilte in den Raum. Als die anderen beiden zu ihm aufgeschlossen hatten, zog er die Türe schnell wieder zu. Gerade noch rechtzeitig, man hatte sie nicht entdeckt. Abigail hielt bereits ihren Colt im Anschlag und sah sich um. Der Raum war in etwa so groß wie ihr Wohnzimmer im Stadtzentrum gewesen war, dem alten TRAP-Hauptquartier. Neben ein paar Hantelbänken, einer Kletterwand, einem Sandsack, einem Laufband und noch ein paar anderen Trainingsgeräten sah dieser Raum fast wie ein kleines Fitnesstudio aus. Allerdings mit einem Unterschied: an der Wand gegenüber der Eingangstüre stand ein aufwändig gebauter Metallstuhl auf dem ein Mann mit kurzen, weißblonden Haaren saß. Sein muskulöser, mit zahlreichen Tätowierungen übersäter Oberkörper war nackt. Er trug eine rote Trainingshose und weiße Sportschuhe. An der Decke über ihm hing ein großer durchsichtiger Plastikbeutel, in dem ein dunkelblauer, länglicher und in der Mitte beschädigter Kristall eingefasst war. Aus der beschädigten Stelle des Kristalls tropfte eine leuchtende Flüssigkeit weiter in eine Infusionsvorrichtung. Offensichtlich war das Meiste dieser Flüssigkeit bereits aus dem Stein herausgelaufen. Der Schlauch der Vorrichtung führte zu der Infusionsnadel, die im linken Unterarm des Mannes steckte, die leuchtende Flüssigkeit gelangte auf diese Weise nach und nach in seinen Körper. Die kryptischen Erklärungen der Frau passten genau auf diese Person, schoss es Yuri durch den Kopf. Was für ein ausgezeichneter Zufall, der gefährlichste Mann der Basis war ihnen kampflos in die Hände gefallen.
„Der Meteortrinker…“, sagte er und riss seine Pistole hoch. Auch Abigail nahm ihn ins Visier. Als der Mann, dessen Name eigentlich Tichon war endlich begriff was hier gerade geschah, riss er sich die Infusionsnadel aus dem Arm und sprang vom Stuhl auf. Genau in dem Moment eröffneten Yuri und Abigail gleichzeitig das Feuer auf ihn, drei Kugeln durchschlugen seine Brust und traten aufgrund der vergleichsweise kurzen Distanz aus seinem Rücken wieder heraus. Die Wucht der Schüsse war stark wie der Tritt eines Pferdes, Tichon wurde davon zurück in den Stuhl geschleudert und sackte dort sitzend in sich zusammen, während das Blut aus den Einschusslöchern und seinem Mund in seinen Schoß sickerte. Abigail und Yuri ließen ihre qualmenden Waffen sinken und Harry näherte sich dem seltsamen Aufbau, untersuchte den übergroßen Infusionsbeutel.
„Ich frage besser nicht, was das hier sein soll“, murmelte er und steckte sein Kurzschwert in den Gürtel um die Hände frei zu haben. „Was auch immer es ist, wir fassen es besser nicht an und verschwinden wieder von hier so schnell es geht. Die Kommandobrücke kann nicht mehr weit entfernt sein.“ Die anderen nickten ihm zu und waren schon dabei sich zur Türe zu bewegen, als der Bildschirm an Abigails Arm kurz summte. Sie bestätigte den Übertragungsknopf und bekam eine Statusmeldung über das Lama eingespielt. Abigail zitterte leicht. Sie hatte gewusst, dass dieser Moment kommen würde, jetzt war es soweit.
„Yanny hat ein paar Treffer eingesteckt“, meldete sie kurz den anderen. „Die beiden kämpfen wohl schon, wir haben nicht mehr viel Zeit.“
„Dann vorwärts, sofort!“, befahl Harry und wollte schon losrennen, als er aus dem Augenwinkel sah, wie der Meteortrinker sich wieder auf dem Stuhl aufrichtete. Sein Oberkörper war immer noch blutverschmiert, aber die drei Einschusslöcher waren nicht mehr zu sehen. Sie hatten sich von selbst geschlossen. Mit einem finsteren Grinsen blickte er Harry an und wischte sich dabei das eigene Blut vom Mund. Sie alle erschraken und brauchten ein paar Sekunden um überhaupt zu realisieren was hier passierte. Yuri riss als erster wieder seine Pistole hoch und wollte schon abdrücken, als ihn Harrys Schrei davon abhielt.
„Spart eure Munition und lauft! Ich kümmere mich um ihn und schließe danach wieder zu euch auf!“ Währenddessen zog der Straßensamurai auch schon sein Kurzschwert und ging vor Tichon im Kampfstellung. Yuri schloss für einen Moment die Augen und biss die Zähne zusammen. Dann packte er die immer noch von dem Anblick verwirrte Abigail, schlug die Türe auf und zog sie einfach mit sich.
„Er hat recht, wir weiter müssen!“, herrschte er sie an. Alles in Yuri sträubte sich dagegen, Harry mit diesem Unbekannten alleine kämpfen zu lassen aber er wusste, dass sie zu viel Zeit verlieren würden wenn sie sich alle drei von ihm aufhalten ließen. Und Abigail war die Einzige, die die Steuerung für Lazarus würde manipulieren können. Die Programmiererin verstand und folgte Yuri, nachdem sie einen letzten Blick in den Raum geworfen hatte. Warum nur fühlte sich dieser Moment so sehr nach Abschied an? Wie betäubt rannte sie hinter dem Hünen her durch den Gang und plötzlich eröffnete der wieder das Feuer. Als die ersten Kugeln in ihre Richtung flogen und an den Wänden abprallten um zu Querschlägern abgelenkt zu werden, warf sie sich geistesgegenwärtig auf den Boden und rollte sich ab. Der ganze Einsatz begann vollkommen zu eskalieren.


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