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Elysium Roman 1 – Kapitel 2: Erklärung der Welt


Es soll an dieser Stelle kurz erklärt werden wo genau sich unsere Helden eigentlich befinden, denn der Leser ist bereits mit dem ein oder anderen verwirrenden Detail konfrontiert worden. Dazu ist es jedoch notwendig weiter auszuholen, um zumindest grob die kosmischen Ausmaße zu beschreiben die dazu führten, dass sich diese drei unterschiedlichen Charaktere überhaupt erst treffen konnten. Sehr weit, um präzise zu sein, und noch viel weiter als man vermuten würde. Im Jahr 2027 sah sich die Welt in einer großen Krise gefangen und die Zivilisation stand kurz vor ihrer Vernichtung. Seit dem Ende des Kalten Krieges wurden erstmals wieder Atomwaffen in Stellung gebracht und die Diplomatie scheiterte in einigen wichtigen Verhandlungen. Anders jedoch als beim Kalten Krieg standen sich allerdings nun Generationen gegenüber, die selbst keinen Weltkrieg erlebt hatten. Die Schrecken einer allumfassenden Gefahr war in den Zeiten des Friedens für sie verblasst. Sie waren bereit auch den letzten Schritt zu gehen. Damit stieg Gefahr der totalen und letzten Vernichtung mit jedem Tag an. Friedensdemonstrationen und neue Verhandlungsversuche liefen immer wieder ins Leere und die Vernunft hatte scheinbar aufgehört zu existieren. Das Ende rückte näher und näher. Schließlich eskalierte die Situation fast, als ein großer Schwarm unbekannter Flugobjekte im Lufttraum der USA auftauchte. Abfangjäger stiegen auf und versuchten, die Flugobjekte zur Landung zu zwingen. Schnell wurde aber klar, dass diese UFOs keinen menschlichen Ursprung hatten. Sie ließen sich nicht bekämpfen oder aufhalten. In dieser Zeit der größten Krise der Menschheit fiel auf diese Weise der erste Kontakt mit einer technisch weit überlegenen Rasse, die später unter den Menschen nur „Engel“ genannt wurde. Es war großes Glück, dass diese Besucher keinerlei feindliche Absichten hatten. Ganz im Gegenteil, empfanden sie doch in erster Linie Mitleid, Empathie und Liebe für unsere Spezies, die sich durch ihre Triebe und negativen Emotionen selbst an den Rand des Abgrunds gebracht hatte.

Die Engel waren den Menschen in ihrer Anatomie sehr ähnlich und hatten es über die Jahrtausende geschafft, alle ihren primitiven Züge abzulegen und eine friedliche Gesellschaft zu formen. Es war eine Gesellschaft, die man als ein humanistisches Utopia bezeichnen konnte. Ihre letzten Konflikte lagen so weit zurück, dass sie von ihrer eigenen Friedfertigkeit ausgehend auf den Charakter der Menschen schlossen, was sich im Nachhinein als großer Fehler herausstellte. Sie glaubten an einen guten Kern, der in jedem vernunftbegabten Wesen stecken musste. Zuerst begann eine Zeit des Handels und des Austausches. Die Menschheit profitierte unermesslich von ihren neuen Lehrmeistern und übersprang mit der Hilfe der Engel viele hunderte Jahre technologische Entwicklung in vergleichsweise kurzer Zeit. Im Verborgenen allerdings begannen einzelne Staaten der Erde schließlich mit der Entwicklung besserer Waffensysteme, Kampfrobotern und militärischen Raumschiffen. Die Menschen fingen mit Hilfe der neuen Technologie des „Terraforming“ an, weitere Planeten zu bevölkern. Zuerst im eigenen Sonnensystem und später auch außerhalb. Sie vermehrten sich auf diese Weise immer schneller und eroberten immer größere Areale des Universums. Das Zusammenleben mit den pazifistischen Engeln, die das oftmals brutale Vorgehen der Menschen gegeneinander und das ausbeuterische Verhalten auf den neu besiedelten Planeten strikt ablehnten und mit der Zeit auch offen kritisierten, wurde immer schwieriger. Irgendwann kam es dann schließlich zum ersten Kampf der Menschen gegen die Engel, den die Menschen klar für sich entscheiden konnten. Der Konflikt lief schnell komplett aus dem Ruder und es kam zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen. In den folgenden Jahren wurden die Engel immer weiter zurückgedrängt und auf vielen Planeten blieben von ihrer großen Zivilisation nur noch Ruinen übrig. Ihre vollständige Vernichtung wurde einzig von anderen Bündnissen der Menschen verhindert, die sich auf die Seite der Engel geschlagen hatten. Trotz dieses ganzen Chaos verbreitete sich die Menschheit auch nach dem Krieg weiter, besetzte fortwährend geeignete Planeten und wiederholte ihre alten Fehler somit immer wieder aufs Neue.

Die Jahrhunderte vergingen, dann ein Jahrtausend und dann noch eines. Die Entwicklung auf den einzelnen von Menschen besiedelten Planeten verlief allerdings nicht immer linear. Manche Kolonien degenerieren durch Kriege, Umweltzerstörung und Konflikte, manche blieben in ihrer Entwicklung stehen, andere schufen eine großartige Blüte oder wurden zu unbeschreiblichen Höllen für alle ihre Bewohner. Manche wurden auch schlichtweg vergessen weil sie außerhalb der großen Zentren des Alls lagen, die sich herausgebildet hatten. Sie wurden nach anfänglicher Pionierarbeit nicht mehr mit neuen Siedlern und technischer Ausrüstung beliefert und waren irgendwann für die neue kosmische Ordnung uninteressant geworden. Auf diesen vergessenen Planeten war oft nicht einmal mehr bekannt, woher die Menschheit ursprünglich kam und von wo aus sie sich aufgemacht hatte, das Universum zu erobern.

So war es auch auf dem 1.986sten besiedelten Planeten, der eigentlich Purgatorium hieß und dessen Entwicklungsstufe im Großen und Ganzen dem der Erde um das Jahr seiner Zahl entspricht. Ja, es ist wahr, der Stand der Zivilisation war schon relativ kurz nach der Landung der Siedlerschiffe vor ein wenig mehr als 400 Jahren mangels Nachschub und mangels bestimmter, für den interstellaren Flug notwendigen Rohstoffe, auf das Niveau der 1980er-Jahre zurückgefallen. Vereinzelt gab es noch diese technischen Überreste aus der Pionierzeit, die jedoch aufgrund verlorengegangenen Wissens entweder überhaupt nicht oder nur mit einem extremen finanziellen Aufwand rekonstruiert werden konnten. Diese Hochtechnologie aus der Siedlerzeit wird von den Bewohnern dieser Welt paradoxerweise bis heute die „alte Technologie“ oder „die Technologie der Alten“ genannt. Originale sind mit Geld nahezu unbezahlbar geworden und gleichen heiligen Artefakten. Die Raumschiffe mit denen die Siedler einst von den Sternen kamen, sind längst ausgeschlachtet und ihre Einzelteile an den unterschiedlichsten Orten verbaut, auf dem Schwarzmarkt oder bei Auktionen zu finden.

Jedes der 17 Siedlerschiffe, das zwischen 80.000 und 200.000 Personen transportierte, wurde seinerseits die Grundlage für eine neue Stadt. Auf „86“, wie der Planet von seinen Bewohnern in Kurzform genannt wird, kamen damals nur Schiffe von drei Nationen an: der amerikanischen, der russischen und der japanischen. Folglich existieren auch nur diese drei Kulturkreise und stehen zueinander teilweise in Konkurrenz. Elysium ist die größte amerikanisch dominierte Stadt auf 86. Utopia heißt das Zentrum des russisch kultivierten Nordens und Neo Tokyo im Osten ist die wichtigste und größte japanische Stadt.

Wir befinden uns hier in Elysium, einer Stadt mit klarer amerikanischer Prägung. Sie liegt auf dem größten Kontinent recht weit im Südosten, direkt an der Meeresküste. Das Klima ist zumeist angenehm mild und warm. Jetzt, im Sommer, ist der Strand voll von Surfern und die teuren Yachten im Nordstrand genannten Bereich der High Society liegen im glitzernden türkisblauen Wasser vor Anker. Den Strand entlang weiter südlich befindet sich der kommerzielle Hafendistrikt. Im Norden der Stadt liegt das gefährlichste Viertel, einfach Nordviertel genannt. Im Westen liegt der sogenannte Wilde Westen, der hauptsächlich als Wohngegend für die Arbeiterschicht im Speckgürtel genutzt wird. Im Süden befindet sich das Industrieviertel mit seinen unzähligen Produktionsanlagen und dampfenden Schloten. Im Osten, zwischen dem Stadtzentrum und dem Strand, liegt der Grenzbereich. Auch dieses Areal gilt als noch vergleichsweise sicher, denn man hat ein großes Interesse daran, den Weg vom Nordstrand aus zum Stadtzentrum für die zahlungskräftigen Anwohner möglichst ruhig zu halten. Die größte Minderheit in der Stadt stellen seit jeher die Japaner dar. Warum das so ist, kann heute allerdings niemand mehr nachvollziehen.

Die Wohnung unserer Helden liegt wie bereits beschrieben, direkt im Stadtzentrum und somit strategisch günstig für das weitere Vorhaben. Doch lasst uns nun herausfinden, was sie hier eigentlich wollen.


Categorized as: Roman 1 (DE) | Romankapitel (DE)

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